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Zecken – die gefährlichen Spielverderber beißen wieder zu

Landkreis Passau ist und bleibt ein Hochrisikogebiet - Nur Impfung schützt vor FSME

 

Zecken


Es ist und bleibt ein Dauerthema im Passauer Land: Der Landkreis ist ein Hochrisikogebiet für die Übertragung von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) durch Zecken. Unterschätzen Sie die überall lauernde Gefahr nicht: Jedes Jahr sterben in Deutschland mehrere Menschen an der Hirnhautentzündung oder infizieren sich mit Borreliose, eine weitere Krankheit, die von den Blutsaugern übertragen wird.

 

Zecken bohren sich übrigens mit Bewegungen ähnlich denen von Brustschwimmern in die Haut von Menschen oder Tieren, um sich dort festzusaugen. Zuerst ritzen die Blutsauger mit ihren Kieferklauen die Haut an. Dann bohren sie ihren Unterkiefer mit den Widerhaken in Mensch oder Tier, um ihn dort fest zu verankern. Dann bleibt die Zecke dort für etwa eine Woche, um Blut zu saugen - wenn es nicht vorher entdeckt und entfernt wird.

 

Es gab heuer schlechte Nachrichten zum Start der Zeckensaison: Nicht nur der Holzbock, sondern auch die Auwaldzecke kann die tückische Krankheit FSME übertragen. Das fanden Wissenschafter der Universität Hohenheim kürzlich heraus. Allerdings ist unklar, ob die winzigen Tiere erst kürzlich zum Überträger wurden oder ihre Gefährlichkeit bisher einfach nicht bekannt war. Zudem wurde erstmals in Deutschland ein Fall dokumentiert, bei dem das Virus durch infizierte Ziegen-Rohmilch übertragen wurde. Und: Das Hohenheimer Forscher-Team beobachtet, dass FSME-übertragende Zecken zunehmend auch im Winter und in Stadtnähe aktiv sind. Das gilt sogar für den Norden Deutschlands.

 

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Dr. Walter Wilfling vom Gesundheitsamt:

"Gefährdet ist jeder, der sich nicht nur in seinen vier Wänden aufhält"

 

 

 

 

 

Wer ist besonders gefährdet und wie kann man sich am besten vor den kleinen Blutsaugern schützen? Dr. Walter Wifling vom Passauer Gesundheitsamt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Zecken.

 

Warum sind Zecken überhaupt so gefährlich? Welche Krankheiten übertragen sie?
Im Unterschied zur öffentlichen Risikowahrnehmung der letzten Monate ist nicht der Wolf, sondern die Zecke das mit Abstand gefährlichste Tier im Wald. Sie überträgt zwei Erkrankungen auf den Menschen: FSME und Borreliose. Bei der FSME handelt es sich um eine viral übertragbare Hirnhautentzündung, die schwere Folgezustände hinterlassen kann und in Einzelfällen auch tödlich enden kann. Eine ursächliche Behandlung ist nach Krankheitsbeginn nicht mehr möglich, jedoch existiert eine wirksame Impfung. 

Gegen die Borreliose kann man nicht impfen; man kann sie aber durch Antibiotika behandeln. Die Erkrankung verläuft über verschiedene Stadien. Das erste Stadium stellt die sog. „Wanderröte“ dar, eine vom Zeckenbiss ausgehende, allmählich größer werdende, flächige Rötung. In späteren Stadien kann eine Beteiligung des Herzens, der Gelenke, des Gehirns und der Gehirnnerven hinzukommen. Der Behandlungserfolg ist um so besser, je früher mit einer Behandlung begonnen werden kann, wobei auch frühe Stadien mit mindestens 14-tägiger Antibiotikabehandlung zu therapieren sind.

 

Gibt es im Passauer Land besonders gefährdete Orte?
Der süddeutsche Raum und speziell der Landkreis Passau gehören bzgl. der FSME zu den Risikogebieten mit hohem Risiko. Wir empfehlen eine Impfung bei allen Personen aus unserer Region spätestens ab dem 3. Lebensjahr. Zecken lieben es feucht-warm. Deshalb ist die Gefährdung an Fluss- bzw. Bachläufen mit üppiger Vegetation nochmals höher. Bei der Borreliose gibt es keine besonderen Risikogebiete.

 

Wie stellt sich die Entwicklung dar - entspannt sich die Gefährdung oder ist das Gegenteil der Fall?
Die Fallzahlen sind seit Jahren etwa konstant. Wir verzeichnen – abhängig von der Strenge des zurückliegenden Winters  und den klimatischen Bedingungen im Sommer – etwa 5 bis 15 FSME-Fälle pro Jahr. Das sind letztlich durch Impfung vermeidbare Erkrankungen. Die Borreliose ist um ein Vielfaches häufiger, wobei die gemeldeten Zahlen etwa zwischen 200 und 300 Fällen in den zurückliegenden Jahren betrugen. Die Dunkelziffer ist noch wesentlich größer. Dass die Fallzahlen nicht mehr angestiegen sind, liegt auch daran, dass sich die Impfung bei uns allmählich durchsetzt; für einen Ungeimpften, wie z. B. einen Student aus Norddeutschland, ist das Risiko hoch. Grundsätzlich ist durch den Klimawandel langfristig eher mit gehäuften, zeckenassoziierten Erkrankungen zu rechnen.

 

Wer ist besonders gefährdet? Und wo ist man besonders gefährdet? Im Wald, im eigenen Garten?
Besonders gefährdet sind natürlich Berufstätige in der Land- und Forstwirtschaft, Jäger, Förster etc. Andererseits treten zahlenmäßig die meisten Erkrankungen bei der Durchschnittsbevölkerung auf, z. B. im eigenen Garten oder bei Spaziergängen in der freien Natur. Gefährdet ist somit jeder, der sich nicht nur in den eigenen vier Wänden aufhält.

 

vollgesaugte_zeckeWas sollte man tun, wenn man eine Zecke hat? Wie richtig entfernen? Oder lieber gleich zum Arzt?
Eine in die Haut eingebohrte Zecke sollte baldmöglich durch einen schnellen Zug möglichst nah am Kopf der Zecke wieder entfernt werden. Hierfür gibt es neben dem Fingernagel spezielle Zeckenzangen oder Pinzetten. Anschließend sollte die Bissstelle desinfiziert werden. Herausdrehen bringt nichts, die Zecke hat kein Gewinde. Beträufeln mit Klebstoff oder Öl sollte endgültig der Vergangenheit angehören. Der Arzt sollte bei Komplikationen aufgesucht werden.

 

Auf was sollte man in den Tagen nach dem Zeckenbiss achten?
Häufig tritt gleich nach dem Zeckenbiss eine kleine, juckende Schwellung auf, die jedoch in den meisten Fällen harmlos bleibt und nicht mit einer Borreliose gleichzusetzen ist. Die Wanderröte bei Borreliose ist eher unspektakulär und tritt erst Tage bis wenige Wochen nach dem Zeckenbiss in Erscheinung. Sie breitet sich allmählich von der Bissstelle nach außen flächig aus, wobei die Randzone stärker sichtbar ist und das Innere wieder abblasst. Eine Therapienotwendigkeit ergibt sich bei einem Borreliose-Erythem in jedem Fall ab einer Größe von 5 cm.

 

Wie kann man sich schützen? Lange Kleidung, spezielle Duftstoffe?
Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, sondern werden von Gräsern oder niedrigen Sträuchern beim Vorbeigehen abgestreift. Wichtig ist somit eine geschlossene Kleidung einschließlich festem Schuhwerk. Zecken beißen auch nicht sofort, sondern suchen sich eine geeignete Stelle am Körper mit möglichst dünner Haut, wie z. B. an den Achseln, Leistenfalten oder Augenlidern. Dies kann über mehrere Stunden dauern. Ein gründliches Absuchen der gesamten Haut nach Aufenthalt in Wald und Flur ist somit besonders wichtig, um krabbelnde oder evtl. noch nicht fest eingebohrte Zecken frühzeitig zu entfernen. Je länger die Zecke saugt, um so höher wird das Risiko für eine Borrelienübertragung. Spezielle Zeckenschutzmittel wie Duftstoffe, die man in der Apotheke kaufen kann, bieten einen relativen, zeitlich begrenzten Schutz, auf den man sich aber nicht verlassen sollte.

 

Sind Zecken für Haustiere - Hunde und Katzen - genauso gefährlich wie für den Menschen?
Zecken können auch für Haustiere gefährlich werden. Neben FSME und Borreliose können sie bei ihnen weitere, für den Menschen nicht pathogene Erkrankungen übertragen. Häufig handelt es sich bei den Tieren um andere Zeckenarten, während für den Menschen in der Regel die „Schildzecke“ gefährlich wird.

 

So wirkt die Zeckenschutz-Impfung

Die Impfstoffe sind heute gut verträglich. Für eine Grundimpfung sind drei Einzelimpfstoffe notwendig, wobei die zweite Impfung nach etwa 4 Wochen und die Dritte nach etwa 6 bis 12 Monaten verabreicht werden sollte. Durch die Impfung baut der Organismus Abwehrstoffe auf, die den Körper in die Lage versetzen, eingedrungene Bakterien unschädlich zu machen. Eine belastbare Immunität besteht bereits nach der zweiten Impfung. Auffrischungsimpfungen sind in drei- bis fünfjährigem Abstand notwendig.

Hier können Sie sich impfen lassen: Impfungen werden in der Regel von den niedergelassenen Hausärzten vorgenommen und von den Krankenkassen erstattet. Auch am Gesundheitsamt besteht die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Außerdem hält das Gesundheitsamt jedes Jahr in den Räumen der Universität Passau einen speziellen „Impftag“ ab. Er findet heuer am 6. Juli statt.

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Fotos: Gesundheitsamt, Pixelio, Pixabay