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Mit der Pflege von Angehörigen ist keiner allein

Caritas und andere Pflegedienste bieten Unterstützung - Demenzwegweiser ist erschienen

 

pflege

 

Wenn ein Angehöriger mehr Betreuung braucht oder gar zum Pflegefall wird, beginnt für viele Menschen ein Spagat zwischen Pflege und Beruf, zwischen Pflege und Familie und auch zwischen Pflege und den eigenen Belastungsgrenzen.  Über 70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, überwiegend durch nahe Angehörige. Besonders berufstätige Pflegende stellt dies vor eine enorme Herausforderung. Denn oftmals ist die Pflege eines nahen Angehörigen nicht nur mit einer starken physischen, sondern auch psychischen Belastung verbunden. Dabei sollte jedem klar sein: Niemand ist mit dieser großen Aufgabe allein gelassen. Es gibt viel Hilfe und Unterstützung für pflegende Angehörige - etwa von Pflegediensten, die den Angehörigen unter die Arme greifen.

 

Vor allem die Diagnose Demenz stellt viele Betroffene und ihre Angehörigen vor Herausforderungen. Deshalb hat der Arbeitskreis Demenz in der Gesundheitsregion Plus Passauer Land einen Demenzwegweiser entwickelt, der mit vielen Infos und Kontakten Hilfe bietet. An der Entstehung waren beteiligt die AOK Direktion Passau, die Arge Heimleiter, die AWO, das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas, der Katholischen Pflegeverband, der Landkreis Passau mit Fachstellen und Sachgebieten Gesundheit und Senioren, die Landkreis Gesundheitseinrichtungen, die Gesunde Stadt Vilshofen und der vdk.

Der Demenzwegweiser wurde bereits an alle Allgemeinarztpraxen, Apotheken und Neurologen im Landkreis Passau versendet. Ab sofort kann er in der Geschäftsstelle angefordert oder hier abgerufen werden: Demenzwegweiser zum Downloaden.

Ab spätestens August ist er auch in allen Rathäusern der Gesunden Gemeinden erhältlich.

 

Auch im Familienpakt Bayern des Sozialministeriums ist ein großer Bereich der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gewidmet. Mit dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz wurde der rechtliche Rahmen geschaffen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern – ein wichtiger Schritt zur Unterstützung von Familien. Dass das Verständnis von Familie sich nicht nur auf die Betreuung von Kindern beschränkt, sondern auch die Pflege, Betreuung und Begleitung älterer Menschen mit einschließt, ist auch ein klares Signal des Familienpaktes Bayern. So wird unter anderem darüber aufgeklärt, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten für Betriebe gibt, gemeinsam mit den Beschäftigten passgenaue Lösungen zu entwickeln. Mehr dazu lesen Sie in der Familienpakt-Broschüre.

Ansprechpartner diesbezüglich in der Gesundheitsregion Passauer Land ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Passau, Melanie Wagner: Tel. 0851 397-476.

 

Welche Hilfe pflegende Angehörige etwa von Pflegediensten bekommen, erklärt Annemarie Ritzinger von der Fachstelle für pflegende Angehörige des Caritasverbands für Stadt und Landkreis Passau in Vilshofen:

 

Wenn etwa meine Mutter, mein Vater oder ein anderer naher Angehöriger mehr Betreuung braucht oder sogar zum Pflegefall wird, beginnt eine enorme Mehrbelastung. Wie kann ich mich rüsten, damit ich dieser Aufgabe gewachsen bin?

Annemarie Ritzinger: Holen möglichst viele Information über die Pflege und Krankheit, zum Beispiel über Demenz, in Beratungsstellen. Anlaufstellen sind etwa der Pflegeberater der Pflegekassen und auch unsere Fachstellen für pflegende Angehörige. Auch Pflegedienste geben Auskunft zum Thema Pflege. Kurse und Schulungen stärken Angehörige in ihrer Pflegekompetenz. Nehmen Sie Unterstützungs- und Entlastungsangebote an, zum Beispiel stundenweise Betreuung durch geschulte Ehrenamtliche, Betreuungsgruppen oder Tagespflege. Auf Dauer kann niemand die Pflege alleine bewältigen!

 

Kann ich als Pflegender auch einfach mal Urlaub machen ohne schlechtes Gewissen?

Annemarie Ritzinger: Eine Pflegeauszeit ist sehr wichtig, damit der Angehörige mal wieder Kraft schöpft und sich von der Pflege erholen kann. Durch eine  ständige Überbelastung können pflegende Angehörige auch selbst erkranken. Hierzu hat der Gesetzgeber auch Leistungen zur Verfügung gestellt, wie zum Beispiel die Verhinderungspflege oder die Kurzzeitpflege.

Es gibt auch Angebot für Mensch mit Demenz und deren Angehörige gemeinsam eine Auszeit in Form von Erholungswochen  zu genießen. Spezielle Rehabilitations-Programme  für Menschen mit Demenz und deren Angehörige werden in Bad Aibling und in der Asklepiosklinik in Schaufling angeboten.

 

Welche Unterstützung oder Angebote für mich als Pflegender gibt es seitens der Caritas?

Annemarie Ritzinger:  Die Fachstelle für pflegende Angehörige bietet eine kostenlose Beratung für Menschen, die eine ältere Person zu Hause pflegen, betreuen und begleiten.

Die Fachstelle für pflegende Angehörige gibt Auskunft und informiert bei Fragen rund um das Thema Pflege und Demenz, zum Beispiel zu

- Leistungen der Pflegeversicherung und der Sozialhilfeträger

- Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung

- Möglichkeiten der ambulanten und (teil-)stationären Versorgung

- Entlastungsmöglichkeiten in der Region

- Umgang und Methoden bei Menschen mit Demenz

- weiteren Hilfs- und Beratungsangeboten

Wir bieten Angebote zur Unterstützung im Alltag an: Im Helferkreis übernehmen geschulte Ehrenamtliche zuhause stundenweise die Betreuung des pflegebedürftigen Familienmitglieds; Angehörige können somit für eine kurze Zeit das Haus verlassen. In der Betreuungsgruppe erfahren Menschen mit einer Demenz für mehrere Stunden Gemeinschaft in familiärer Umgebung. Im angeleiteten Gesprächskreis, der monatlich stattfindet, können sich Angehörige austauschen und Rat erhalten. Demenzschulungen stärken Angehörige in ihrer Kompetenz. Unser  Ambulanten Pflegedienst unterstützt Angehörige bei der Pflege, Behandlungspflege und Haushaltsführung.

 

Foto: Helene Souza/pixelio.de