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Wenn die Seele den Körper krank macht

Umfangreiche Hilfe in Psychosomatischer Klinik Südostbayern in Wegscheid und Passau

 

depression


Etwas schlägt uns auf den Magen, stößt uns sauer auf oder bereitet uns Kopfzerbrechen. Man hat einen Kloß im Hals, es verschlägt einem den Atem oder etwas geht unter die Haut. Jemand bricht einem das Herz. Diese bekannten Redensarten bringen das Zusammenspiel von Psyche und Körper ziemlich deutlich zum Ausdruck. Körper, Geist und Seele sind eine Einheit: Alles, was wir denken oder fühlen, hat einen Einfluss auf unser körperliches Befinden. Ärger, Trauer, Angst, Stress - alle negativen Gefühle, die längere Zeit andauern, belasten den Körpern und schwächen das Immunsystem. Wenn die Seele leidet, wird häufig auch der Körper krank. Diese Krankheiten nennt man psychosomatische Beschwerden - körperliche Symptome, die medizinisch nicht erklärbar sind, für die der Arzt keinen körperlichen Grund findet. Nach Schätzungen leiden etwa 25 Prozent der Patienten, die einen Hausarzt aufsuchen, unter psychosomatischen Beschwerden.

Oft dauert es Jahre, bis die Patienten sich nach Dutzenden Arztbesuchen und Behandlungen auf körperlicher Ebene, die nicht anschlagen, Hilfe in der Psychosomatik suchen. Hier wird nach den tieferliegenden seelischen Ursachen für die Beschwerden gesucht.

Seit mehr als zwei Jahren gibt es nun die Psychosomatische Klinik Südostbayern mit ihren Standorten in Wegscheid und Passau.
Alle Infos zur Klinik finden Sie unter:www.pksob.de


Im Interview erklärt der Chefarzt Dr. Alexander Knipel, wie die Behandlung aussieht und wie Sie vermeiden können, dass auch Ihre Seele Ihren Körper krank macht.

Was sind psychosomatische Beschwerden?
Dr. Alexander Knipel: Körper und Geist sind nicht trennbar, deshalb äußern sich seelische Probleme oft auf der Körper-Ebene. Und auch andersherum: Viele körperliche Krankheiten, wie etwa chronische Schmerzen, können so belastend sein, dass sie Depressionen auslösen können. Häufig schlagen sich psychische Probleme nieder in Magen-Darm-Beschwerden, Herzproblemen, Druck auf der Brust, Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen oder auch im Körper wandernde Schmerzen.

 

Wichtig ist: Wenn Beschwerden auftreten, erst organisch abklären lassen. Auch wenn der Verdacht vorliegt, dass die körperlichen Beschwerden durch eine psychische Belastung ausgelöst ist, ist eine somatische Diagnostik im Vorfeld sinnvoll um eine körperliche Erkrankung auszuschließen. In der Untersuchung finden sich oft auch somatische Defizite, die aber das Ausmaß, in dem sie der Patient erlebt, nicht erklärt. Ohne vorherige organische Abklärung ist es sehr schwierig, den Ursprung der Beschwerden auseinanderzuhalten. Wir haben in unserer Sprache viele Sprüche, die ganz gut sinnbildlich schildern, was bei Problemen passiert. Etwa: Das schlägt mir auf den Magen. Oder: Ich habe eine schwere Last zu tragen. Um genau zu verstehen, was einem auf den Magen schlägt, braucht man aber meistens fachliche therapeutische Unterstützung als Übersetzer. 

Viele Menschen haben eine Ärzte-Odyssee hinter sich, bis sie in der Psychosomatik ankommen. Warum wird der Zusammenhang kranke Seele-kranker Körper oft so spät erkannt?
Dr. Alexander Knipel: Wenn ein Patient Beschwerden oder Schmerzen hat, ist der erste Weg meist zum Hausarzt oder zu Fachärzten. Das ist auch gut so! Wenn dort aber kein organischer Befund gestellt werden kann, der die Problematik erklärt, gibt es meist mehrere Probleme. Zum einen kann es passieren dass sich einPatient nicht ernst genommen fühlt, denn sie spüren ja die Schmerzen, für die es augenscheinlich keinen Grund geben soll. Hier benötigt es eine gute Zusammenarbeit zwischen den Ärzten der unterschiedlichen Fachgebiete. Es ist wichtig den Patienten ernst zu nehmen und ihm trotzdem gleichzeitig zu erklären, dass die Beschwerden die er hat, mögliche andere Ursachen haben.

 

Doch psychische Krankheiten sind sehr angst- und schambesetzt. Viele Patienten hätten lieber eine körperliche Diagnose. Eine psychische Krankheit ist nicht so "beliebt": Viele schämen sich dafür, es ist ihnen peinlich. So dauert es oft sehr lange, bis sich die Menschen für sich soweit sind, tatsächlich einen Psychiater aufzusuchen. Davor holen sie sich mehrere Meinungen von verschiedenen Ärzten ein, bis auch der vierte Arzt sagt: Das könnte eine seelische Ursache haben. Alles, was mit der Psyche zu tun hat, macht oft Angst, weil wir es uns nicht so gut vorstellen können, weil es nicht zu sehen ist wie etwa ein Beinbruch.

 

knipel

Welche Arten von seelisch bedingten Störungen werden in der Psychosomatischen Klinik Südostbayern in Wegscheid bzw. Passau behandelt?
Dr. Alexander Knipel: Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Schmerzstörungen, bedingt auch Zwangsstörungen, Essstörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen. Dies hängt bei einzelnen Erkrankungsbildern vom Schweregrad der Erkrankung aus. Bestimmte Erkrankungsbilder, wie zum Beispiel eine ausgeprägte Essstörung, brauchen eine Behandlung die spezifisch darauf ausgerichtet ist. Da die Psychosomatische Klinik Südostbayern aktuell nur über eine Station für psychosomatische Krankheitsbilder verfügt, ist im Vorgespräch zu entscheiden ob die vorliegende Erkrankung in unserem Setting behandelt werden kann.


Wie sieht die Behandlung aus?
Dr. Alexander Knipel: Wir haben in Wegscheid 18 stationäre Plätze, in der Passauer Tagesklinik 10 teilstationäre. In der Tagesklinik ist der Patient von Montag bis Freitag von 8.30 bis 16.15 Uhr bei uns. Bei einer vollstationären Behandlung in Wegscheid, sind die Patienten durchgehend in stationärer Behandlung. In einem Vorgespräch wird vorab geklärt, welche Form der Behandlung die passende ist. Das Therapieprogramm in Wegscheid und Passau ist ident: Es gibt 2 mal wöchentlich Einzelpsychotherapie, 2 mal wöchentlich offene Gesprächsgruppe unter psychotherapeutischer Leitung, dazu Kunst- und Gestaltungstherapie, Tanz- und Bewegungstherapie, soziales Kompetenztraining, Stressbewältigung, progressive Muskelentspannung, autogenes Training und Yoga.

 

Auch die Gesundheits- und Krankenpflege übernimmt hier einen wichtigen Part. So werden zusätzlich Co- therapeutische Gespräche durchgeführt und das Personal ist ein wichtiger Anlaufpunkt bei akuten Krisen. Es gibt zudem die Möglichkeit einer sozialpädagogischen Beratung, wenn gewisse Hilfestellungen benötigt werden. Bei uns steht die Psychotherapie im Vordergrund - nur wenn es unbedingt notwendig ist mit medikamentöser Unterstützung. Zudem kommt man auch sehr gut mit sich in Kontakt, wenn man nicht spricht, etwa beim malen oder in der Tanz- und Bewegungstherapie.

Wie lange dauert die Behandlung im Schnitt?
Dr. Alexander Knipel: Sechs Wochen.

Wie komme ich zu Ihnen?
Dr. Alexander Knipel: Wir haben als Zuweiser hauptsächlich Hausärzte, Internisten, Psychiater und andere Fachärzte. Dort laufen die Menschen auf. Um zu einem Vorgespräch zu uns zu kommen, reicht eine Überweisung eines niedergelassenen Arztes. Wenn Sie eine solche haben, melden Sie sich einfach per Telefon für einen Vorgespräch-Termin. Das findet meist persönlich statt. Nach einer ersten Einschätzung wird entschieden, ob eine Aufnahme bei uns sinnvoll ist oder der Patient in einer Fachklinik oder in der Psychiatrie besser aufgehoben ist. Ausschlusskriterien für eine Aufnahme bei uns sind: schwere Ess- oder Postraumatische Belastungsstörungen, Suchterkrankungen die aktuell im Vordergrund stehen, akute Suizidalität, Erkrankungen mit psychotischem Erleben wie z.B.: Schizophrenie oder bipolare Störungen, Demenz oder andere gerontopsychiatrische Erkrankungen. Man sollte fit und nicht pflegebedürftig sein. Unsere Patienten sind zwischen 18 und 60 Jahre alt.

Wieso haben in der heutigen Zeit immer mehr Menschen mit Depressionen, psychosomatischen Beschwerden oder sonstigen psychischen Krankheiten zu kämpfen?
Dr. Alexander Knipel: Da kommen viele Faktoren zusammen. Zum einen: Obwohl das Thema noch immer schambehaftet ist, trauen sich immer mehr Leute offen darüber zu sprechen. Die Krankheiten haben auch früher schon eine große Rolle gespielt, doch sie waren viel mehr in den Deckmantel des Schweigens gehüllt. Außerdem leben wir in einer sehr schnellen, stressigen Zeit. Es hat sich viel verändert, etwa Familienstrukturen. Zum Beispiel haben Alleinerziehende eine deutlich höhere Arbeitsbelastung. Das kann schnell zu einer Überforderung führen. Generell ist der Druck und die Stressbelastung in der Arbeitswelt sehr hoch.

Ein Beispiel: Wenn es jemand gewohnt ist seit seiner Kindheit, dass man bei Leistung belohnt wird und Anerkennung bekommt und bei Nicht-Leistung Kritik und Ärger ansteht, dann kann sich das sehr tief einbrennen. Dieser Mensch kommt lang gut damit durchs Leben. Dann verändert sich vielleicht nur eine Kleinigkeit: Er bekommt einen neuen Chef, der ihn nicht mehr sooft lobt wie der frühere Boss. Der neue gibt vielleicht gar keine Rückmeldung. Jetzt hat dieser Mensch aber gelernt: Leistung bringt Anerkennung. Also wird er immer mehr leisten, weil er das Gefühl hat, dass er nicht genug bringt, wenn er nicht gelobt wird. Dadurch kann er über kurz oder lang in ein Burnout rutschen.

Was kann ich tun, damit die Seele den Körper nicht krank macht?
Dr. Alexander Knipel: Da gibt es ganz unterschiedliche Ansatzpunkte, weil jeder etwas anderes braucht. Wir vergessen gerne auf uns selbst, versuchen anderen alles recht zu machen, um zu gefallen, oder auch um nicht kritisiert zu werden. Die eigenen Bedürfnisse stecken wir zurück - das macht auf Dauer sehr unglücklich und krank. Hier sollte man ansetzen. Setzen Sie sich regelmäßig hin und überlegen sich: Wie geht es mir überhaupt? Wie geht es mir in der Beziehung, im Job? Ist mein Leben so, wie es mir vorstelle? Wenn man erkennt, dass man nur funktioniert, hat das meist wenig mit Lebensqualität zu tun. Die eigenen Verhaltensmuster - sie begleiten uns ja meist schon seit unserer Kindheit - zu ändern, ist extrem schwierig und langwierig und häufig ohne einen Therapeuten nicht zu schaffen.

 

 

Fotos: PKSOB, Pixabay