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Seelenlandschaften

Ausstellung "Wohlbefinden" im Bezirkskrankenhaus Passau eröffnet

 

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Was bedeutet Wohlbefinden für dich? Diese Frage beantwortet jeder ganz individuell für sich anders. Erst recht Menschen mit psychischen Krankheiten. Die Ausstellung "Wohlbefinden", die am Montagabend im Bezirkskrankenhaus Passau eröffnet wurde, gibt einen Einblick in das Gefühlsleben von Patienten - und Mitarbeitern. Gemeinsam haben Ärzte und Therapeuten allen voran Hedwig Voggenreiter und Anne Wild mit Patienten des Bezirkskrankenhauses Passau und des Mutterhauses in Mainkofen diese Ausstellung aus insgesamt rund 35 Exponaten zusammengestellt, um ihr Verständnis von Wohlbefinden auszudrücken. Zu sehen sind Landschaften, Porträts und Farbenspiele. Ob das jeweilige Bild ein Patient oder Klinikmitarbeiter gemalt hat, ist nicht gekennzeichnet und wird nicht verraten. Die Ausstellung, die vier Wochen im Eingangsbereich des Bezirkskrankenhauses zu sehen ist, ist Teil der Veranstaltungsreihe "Lebenslinien" rund um den Welttag der seelischen Gesundheit am Dienstag, 10. Oktober.
 

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Sylvia Seider, Kompetenz-zentrum für Gesundheits-förderung, und Leitender Arzt Dr. Peter Eichhammer.

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Bezirksrat Josef Heisl mit Raimund Kneidinger, stellvertretender Landrat Landkreis Passau.

ausstellung_wohlbefinden2Krankenhausdirektor Gerhard Schneider mit Bezirksrätin Cornelia Wasner-Sommer.

 

 

"Mit dieser Ausstellung und dem Welttag soll das Bewusstsein für den Wert der seelischen Gesundheit geschärft werden. Denn Wissen schafft Verständnis: Es gibt keine Gesundheit ohne seelische Gesundheit", machte Bezirksrat Josef Heisl bei der Eröffnung deutlich. Der Anstieg von seelischen Erkrankungen in den vergangenen Jahren sei besorgniserregend. "Mittlerweile ist es die dritthäufigste Diagnose bei Arbeitsunfähigkeit." Deshalb sei auch die Auslastung des Bezirkskrankenhauses in Passau enorm: Sie liege bei 100 Prozent und mehr. "Die Wartelisten sind voll", so Heisl. Deshalb seien weitere Investitionen für den Ausbau nötig. Er versprach: "Auch der Bezirk Niederbayern wird seinen Beitrag leisten und finanzielle Anstrengungen nicht scheuen." 
Der stellvertretende Landrat Raimund Kneidinger bedankte sich für den Schritt, die Bezirkskliniken flächendeckend anzubieten - mit dem Nachsatz: "Ich hoffe, dass das Angebot weiter ausgebaut wird." Von der Ausstellung zeigte er sich beeindruckt und unterstrich den Wert von Kunst als Therapieform: "Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Was sich aber nicht bestreiten lässt: Es hilft. Es hilft zu verarbeiten und seine Gefühle auszudrücken." 
"Kunst kann mehr vermitteln als 1000 Worte", pflichtete ihm Urban Mangold, zweiter Bürgermeister der Stadt Passau, bei. Auch für ihn ist unbestritten: "Es ist wichtig, auf seine psychische Gesundheit genauso zu achten wie auf seine physische." Schließlich könne es jeden treffen - "auch den stabilsten, wenn sich plötzlich ein Schalter umlegt und er das Gefühl hat, er kann nicht mehr."
"Was Sie hier sehen, sind nach außen projizierte Seelenlandschaften", sagte der Leitende Arzt Peter Eichhammer. Er führte die Vernissage-Besucher mit einem Kurzvortrag in das Wunder Gehirn ein: 95 Prozent seiner Energie brauche das Gehirn für seinen Ruhezustand - selbst wenn wir gerade nicht sprechen oder uns bewegen. "Was unser Gehirn so beschäftigt? Die Beziehung zu uns selbst und zu anderen Menschen, die Vergangenheit und Zukunft." Das Gehirn sei ein Beziehungsorgan, das am besten eben durch Beziehungen lernt. "Deshalb machen wir Ergo-, Musik- und Kunsttherapie: Damit die Patienten den Zugang zu sich selbst und anderen wieder finden." 
 

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Depressionen, Alkoholsucht, bipolare Störungen und Schizophrenie zählen weltweit zu den häufigsten Erkrankungen. Fast jeder Dritte leidet einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. Mittlerweile gehen zehn Prozent der Krankheitstage Berufstätiger auf ein psychisches Leiden zurück. Um Vorurteile und Diskriminierung abzubauen, Selbsthilfe-Möglichkeiten und ambulante Einrichtungen bekannter zu machen und gezielt über Krankheitsbilder zu informieren wurde 1992 von der World Federation for Mental Health und der Weltgesundheitsorganisation 1992 der internationale Tag der seelischen Gesellschaft ins Leben gerufen. Seitdem finden jährlich am 10. Oktober in vielen Ländern Aktionen und Veranstaltungen zu diesen Themen statt.

 

In der Region stehen heuer von 9. bis 19. Oktober zehn Tage unter dem Motto "Lebenslinien". Institutionen der psychosozialen Versorgung im Landkreis haben sich zusammengetan und eine Reihe von Veranstaltungen organisiert. Hierzu gehören die Beratungsstelle für psychische Gesundheit, das Tageszentrum der Lebenshilfe Passau, die Bayerische Gesellschaft für psychische Gesundheit in Passau, das Bezirkskrankenhaus Passau, die donauwerker GmbH und das Gesundheitsamt Passau.

Das Programm mit Infos zu allen Beteiligten zum Downloaden

 

 

Einen Überblick über die bundesweiten Veranstaltungen des Aktionsbündnisses seelische Gesundheit gibt es im Internet: www.aktionswoche.seelischegesundheit.net

 

Fotos: Jessica Hirthe