Impfen gegen Corona: Amtsärztin beantwortet die häufigsten Fragen

22. 12. 2021

Das Thema Corona-Schutzimpfung wirft aktuell viele Fragen auf und führt teilweise zur Verunsicherung. Die GesundheistregionPlus Passauer Land hat in diesem Zusammenhang einige der häufigsten Fragestellungen gesammelt und an Dr. med. Heidi Brandl, die als Ärztin am Passauer Gesundheitsamt arbeitet gestellt.

 

Warum kann eine Corona-Infektion gefährlich sein?

Bei einer Infektion dringt das Virus in die Zelle ein und löst im Körper Abwehrprozesse aus. Bei einem Teil der Infizierten kommt es zu einer Überreaktion der Abwehr und zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Organschäden. Viren können zudem wichtige Organe befallen, zuletzt konnte sogar die Zerstörung von Hirngefäßen beobachtet werden.

 

Warum soll ich mich impfen lassen, wenn doch in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten können?

Nahezu jede medizinische Behandlung mit Impfstoffen, mit Medikamenten oder in Form von Eingriffen oder Operationen ist eine Abwägung von Nutzen und Risiko. Kranke Menschen, für die eine bestimmte medizinische Behandlung die letzte Rettung ist, nehmen dabei oft auch ein deutlich höheres Risiko in Kauf. Eine Impfung hingegen soll gesunde Menschen vor einer Krankheit schützen. Aus diesem Grund werden hier schon im Zulassungsverfahren sehr hohe Hürden bei der Nutzen-Risiko-Abwägung gesetzt und ein sehr hohes Maß an Sicherheit gefordert. Und deshalb überwiegt hier der sehr hohe Nutzen des Schutzes vor einer schweren Erkrankung klar gegenüber dem relativ geringen Risiko seltener Nebenwirkungen.


 Muss ich Angst vor der Corona-Impfung und möglichen Spätfolgen haben?

Bis zum 11. Dezember haben allein in Deutschland 60,3 Millionen Menschen mindestens eine Impfung erhalten. Den mRNA-Impfstoff von Biontech bekamen mit Stand von Anfang November insgesamt 44 Millionen Menschen in Deutschland.

Weltweit wurden bereits mehr als eine Milliarde Menschen mit einem mRNA-Impftsoff der Hersteller Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft. Dabei konnte eine sehr hohe Sicherheit nachgewiesen werden. In dieser Phase werden bei der hohen Anzahl auch sehr seltene Nebenwirkungen erfasst. Festgestellt wurden bisher als seltene Nebenwirkung Herzmuskelentzündung bei jungen Männern, die meist spontan ausheilten.

Langzeitfolgen, die erst Jahre nach der Impfung auftreten, sind aus der Erfahrung mit vielen Impfstoffen gegen verschiedenste Krankheiten bislang nicht bekannt. Die meisten Nebenwirkungen treten innerhalb weniger Stunden oder weniger Tage nach der Impfung auf. Sehr selten kommt es vor, dass Impfstoffnebenwirkungen erst nach Wochen oder wenigen Monaten auftreten beziehungsweise erkannt werden. Aufgrund der milliardenfachen Anwendung der Impfstoffe sind die Nebenwirkungen inzwischen gut bekannt und werden für Deutschland vom Paul-Ehrlich-Institut überwacht. Regelmäßig werden für Jeden einsehbare Sicherheitsberichte auf dessen Homepage veröffentlicht.

 

Gibt es Hinweise, dass die mRNA meinem Körper schadet und mein Erbgut verändert?

Eine Schädigung des eigenen Erbgutes durch die mRNA ist auszuschließen. Die mRNA gelangt als Bauplan in die Muskelzellen, dort werden dann die Spike-Proteine des Coronavirus gebaut und dem Immunsystem präsentiert. Dabei werden sowohl Antikörper, als auch die zellgebundene Abwehr aktiviert. Die mRNA gelangt dabei nicht in den Zellkern. Vielmehr wird sie bereits innerhalb von Stunden abgebaut. Im Zellkern befindet sich unser Erbgut als DNA und die RNA kann dort nicht eingebaut werden. Beim Menschen kann die RNA nicht in DNA umgewandelt werden.

 

Macht es Sinn auf Totimpfstoffe zu warten?

Auf Tot-Eiweißimpfstoffe warten dauert zu lange, bei dem derzeitig hohen Infektionsdruck ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion in den nächsten Wochen extrem hoch. Daher sollte so schnell wie möglich die Gelegenheit einer Impfung gegen das Corona-Virus genutzt werden.

 

Derzeit fällt eine Vielzahl von Infektionen unter Geimpften auf. Wirkt die Impfung schlecht?

Die aktuellen Infektionszahlen in Deutschland zeigen einen ganz klaren Zusammenhang zwischen dem Anteil der geimpften Bevölkerung und den Infektionszahlen, aber auch den Krankenhausaufnahmen. In Bundesländern mit niedriger Impfquote fielen zuletzt in den einzelnen Landkreisen 7-Tage-Inzidenzen von über 500 pro 100.000 Einwohner auf, mitunter sogar >1.000 pro 100.000 Einwohner. Vollständig geimpft sind in Bayern 66,3 %, in Sachsen 57,8 %, im Vergleich zu NRW mit 71,5 %. Im Landkreis Passau liegt die Impfquote derzeit bei gut 65 % (Stand: Dezember 2021).

Die Neuerkrankungsraten in Zusammenhang mit dem Impfstatus belegen die ausgeprägte Wirksamkeit der Covid-19-Impfung in Bezug auf die Verhinderung einer symptomatischen Erkrankung und Krankenhausaufnahmen. Zwar nimmt die Effektivität der Impfung im Verlauf ab, jedoch bleibt eine hohe Impfeffektivität gegen schwere Verläufe.

In der Gruppe der Ungeimpften finden sich deutlich mehr symptomatische Fälle und Krankenhausaufnahmen. Kommt es trotz Impfung zu einer Infektion, ist das Risiko an Long-Covid zu erkranken deutlich reduziert im Vergleich zu Ungeimpften.

 

Welche Altersgruppe ist am meisten gefährdet?

Die meisten Krankenhausaufnahmen in Deutschland betrifft die Altersgruppe ab 60 Jahren. Daher ist das Risiko für Ungeimpfte in dieser Altersgruppe besonders hoch. Etwa 13 % der Über-60-Jährigen sind ungeimpft.

Laut Modellierung sind für die Verhinderung bzw. Abschwächung einer weiteren Erkrankungswelle Impfquoten von 85 % bei den 12- bis 59-Jährigen und 90 % bei den 60+-Jährigen notwendig. Die bisher erreichte Impfquote von 71,6 % (12 - 59 Jahre) bzw. 85,7 % (60+ Jahre) für vollständige Impfungen liegt insbesondere bei der jüngeren Altersgruppe noch weit hinter der Zielimpfquote zurück.

 

Warum haben besonders junge Frauen Angst vor der Impfung?

In den sozialen Netzwerken wird die Corona-Impfung für eine mögliche Unfruchtbarkeit verantwortlich gemacht. Wissenschaftlich ist dieser Zusammenhang haltlos. Die Ähnlichkeit des von der mRNA gebildeten Spike-Virus im Vergleich zu dem Syncytin-1-Eiweiß, das für die Bildung der Plazenta mitverantwortlich ist, ist so minimal, dass eine Kreuzreaktion ausgeschlossen werden kann. Sollten sich Antikörper bilden, müssten eher Fehlgeburten und Schwangerschaftskomplikationen auftreten. Doch aus das konnte nicht beobachtet werden. Vielmehr ist ohne Impfung das Risiko eines schweren Verlaufs bei einer Corona-Infektion in der Schwangerschaft erhöht.

Diskutiert wird auch eine Beeinflussung des Zyklus. In der Tat kann die Menstruationsblutung verzögert einsetzen. Dies ist aber ein Phänomen, das bei allen Impfungen auftreten kann, bereits nach einiger Zeit normalisiert sich der Zyklus wieder. Die Schwangerschaftsrate in Ländern wie Portugal mit besonders hoher Impfquote ist weiter unverändert.

 

Gibt es Gründe, die eindeutig gegen eine Impfung sprechen?

Dafür gibt es nur sehr wenige Gründe. Zu nennen ist eine schwere Unverträglichkeit/ Allergie gegen Impfstoffbestandteile. Sollten Bedenken auftreten, empfehle ich die Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten Arzt oder einer Fachklinik. In den meisten Fällen können die Bedenken ausgeräumt werden. Die Gefahr einer schweren Corona-Infektion ist deutlich höher.

 

Wieso braucht man eine Booster-Impfung?

Die Drittimpfung schützt uns selbst und verhindert die Weiterverbreitung des Virus. Im Vergleich zu denjenigen, die vor 5 Monaten zweifach geimpft wurden, zeigten die Drittgeimpften im Rahmen einer israelischen Untersuchung eine deutlich bessere Impf-Wirksamkeit von 92% vor schwerem Verlauf und 81% vor dem Tod.   Wissenschaftler sprechen erst nach der 3. Impfung von einem vollständigem Impfschema. Auch die deutschen Daten des RKI beweisen einen hohen Schutz vor symptomatischer Infektion und schwerer Erkrankung. Die Booster-Impfung wirkt bereits nach ca. 5 bis 7 Tagen.

 

Wer braucht eine Booster-Impfung?

Alle über 18 Jahre, deren letzte Corona-Impfung länger als 5 Monate zurückliegt sollten ihren Impfschutz durch eine Booster-Impfung auffrischen.

 

Sollte man vor der Booster-Impfung seinen Antikörperspiegel bestimmen lassen?

Die Aussagefähigkeit von Antikörperspiegeln ist begrenzt und sollte nicht als Argument gegen eine Booster-Impfung sprechen. Zudem gibt es bisher keinen eindeutigen Grenzwert, ab wann eine Booster-Impfung notwendig ist oder nicht.

 

Ist der Booster von Moderna schlechter als der von Biontech?

Nein, beide Impfstoffe wirken gleichwertig und können in einem gekreuzten Impfschema verwendet werden. Für die Booster-Impfung verwendet man bei Moderna die halbe Dosis. Moderna wird nicht bei unter 30-jährigen eingesetzt. Hier waren unter Nutzung der vollen Dosis bei Jüngeren Herzmuskelentzündungen aufgetreten.

 

Werden Nebenwirkungen der Impfung verheimlicht?

Nein, im Gegenteil: Jede aufgetretene Nebenwirkung wird erfasst und jeder Todesfall wird auf einen möglichen Zusammenhang mit der Impfung von einem unabhängigen Kontrollgremium genau untersucht. Das Paul-Ehrlich-Institut aktualisiert dazu kontinuierlich die Sicherheitsberichte zu den COVID-19 Impfstoffen.

 

Sind wirklich so viele Ärzte Impfgegner?

Das ist keinesfalls so. Nur ein verschwindend kleiner Anteil der Ärzte lehnt die Impfung ab. Der überwiegende Teil der Ärzteschaft befürwortet die Impfung mit mRNA-Impfstoffen. Ein Blick auf die derzeitig voll belegten Intensivstationen lässt keinen Zweifel aufkommen: von den 598 in der Meldewoche 44-47 gemeldeten Covid-19-Fällen auf der Intensivstation waren 504 Patienten ungeimpft. Die errechnete Impfeffektivität zeigt für alle Altersklassen die ausgeprägte Wirksamkeit der Covid-19 Impfung in Bezug auf die Verhinderung einer symptomatischen Erkrankung und einer Krankenhausaufnahme. Nicht-Mediziner verweisen auch auf Studien von Ärzten mit gegenteiliger Meinung, die aber oft grobe wissenschaftliche Fehler oder falsche Schlussfolgerungen enthalten. Hier kann ein klärender Blick in die größte medizinische Datenbank (PubMed) helfen. Dort werden Studien mit groben Fehlern und falschen Schlussfolgerungen gar nicht gelistet. Gerade in den sozialen Medien entsteht manchmal eine sogenannte false-balance. So veröffentlichen vermeintlich viele Spezialisten impfkritische Beiträge, die einer wissenschaftlichen Überprüfung überhaupt nicht standhalten.

 

Hilft die Impfung auch gegen die Omicron-Variante?

Leider gibt es derzeit noch keine wirklich belastbaren Daten. Erste Hinweise aus Südafrika zeigen, dass sich ein großer Anteil der „Genesenen“ erneut mit Corona infiziert. Mehr Ungeimpfte wurden bisher ins Krankenhaus aufgenommen. Eine Schutzwirkung gegen schwere Erkrankungsverläufe ist aber auch bei der Omicron-Variante zu erwarten. 

 

 

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